4. September 2024

Demografischer Wandel in Deutschland & seine Auswirkungen

Eine Frau steht mit ihrer Tochter neben anderen Personen im Bus.
Der demographische Wandel stellt Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland derzeit vor große Herausforderungen. Doch was bedeutet das eigentlich und wie setzen sich die Zahlen der Demographie überhaupt zusammen? Für eine Analyse der demographischen Entwicklung werden insbesondere das Alter der Bevölkerung, die Geburtenrate sowie die Lebenserwartung als messbare Daten herangezogen. In Deutschland zeigt sich der Wandel der Demographie insbesondere durch ein steigendes Durchschnittsalter der Bevölkerung und einer parallel stagnierenden Geburtenrate. Das Problem für die Wirtschaft: die demographischen Faktoren wirken sich unmittelbar auf den Arbeitsmarkt aus. In diesem Blog-Artikel geben wir einen Überblick über aktuelle Daten und Fakten zum demographischen Wandel und die damit verbundenen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt.

Inhalt

Der demographische Wandel in Deutschland – Ein Überblick

Zunächst einige Daten und Fakten: Statistische Messungen belegen eine maßgebliche Veränderung beim Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. So lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2023 bei 44,6 Jahren (1), während der Anteil der deutschen Bevölkerung über 65 Jahren im selben Jahr 22,3 Prozent betrug (2). Zum Vergleich: Im Jahr 1990 lag das Durchschnittsalter noch bei 39,5 Jahren. Darüber hinaus bewegt sich die allgemeine Fertilitätsrate (Geburtenrate) in Deutschland im Jahr 2023 bei einem Wert von 1,35 (3). Das bedeutet: Die deutsche Bevölkerung wird zunehmend älter und bekommt gleichzeitig weniger Kinder. Ohne äußere Zuwächse – z.B. durch Zuwanderung – würde die Bevölkerung in Deutschland aufgrund der Geburtenrate von unter 2 kontinuierlich schrumpfen. Die parallel steigende Lebenserwartung und die gesunkene Sterberate haben zusätzlich Einfluss auf die Überalterung der deutschen Gesellschaft. Die Konsequenz: eine Verringerung der Erwerbsbevölkerung und ein Anstieg von älteren Bevölkerungsschichten in der Arbeitswelt.

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Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt & Herausforderungen für Unternehmen

Deutschland ist mit diesem Problem zwar nicht allein: Denn im internationalen Vergleich zeichnen sich etwa in Italien oder Japan ähnliche Bevölkerungsentwicklungen mit den dazugehörigen Herausforderungen ab, während die Bevölkerungen in Ländern wie Frankreich, Schweden oder in den USA im Vergleich dazu deutlich jünger sind (4) (5). Diese demographischen Trends haben direkte Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt und stellen Unternehmen vor zahlreiche Herausforderungen. Ganz entscheidend ist dabei, dass der demographische Wandel einen nachweisbaren Fachkräftemangel zur Folge hat. Einer Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge könnte sich der Mangel bis zum Jahr 2030 auf drei Millionen Fachkräfte in Deutschland belaufen (6). Das Resultat: ein deutlich verringertes Erwerbspersonenpotenzial in der deutschen Wirtschaft.

Der Fachkräftemangel in Deutschland schlägt sich laut den Prognosen dabei insbesondere auf die Technologiebranche, das Gesundheitswesen sowie das Handwerk und das Bauwesen aus. Durch die veränderte Bevölkerungsstruktur in der Gesellschaft wird der Anteil an älteren Mitarbeiter:innen dabei immer höher, während der Anteil jüngerer Mitarbeiter:innen kontinuierlich abnimmt und die Rekrutierung junger Mitarbeiter:innen gleichzeitig immer schwieriger wird. Deshalb müssen Unternehmen mit Arbeitsbedingungen und Arbeitsmodellen entgegenwirken, die diese Entwicklung berücksichtigen, um dem Fachkräftemangel und den wirtschaftlichen Folgen von unbesetzten Stellen entgegenwirken. Die Einführung von flexiblen Arbeitszeiten, Remote-Arbeit oder wertschätzender Altersteilzeit können einen ersten Schritt bei der Anpassung an den demografischen Wandel darstellen. Zusätzlich sollten Unternehmen geeignete Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme insbesondere für die ältere Belegschaft implementieren.

Die Chancen des demographischen Wandels

Doch der demographische Wandel stellt Unternehmen nicht nur vor Herausforderungen, sondern bietet auch einige Chancen. So birgt eine altersdiverse Belegschaft etwa die Möglichkeit eines wertvollen Wissenstransfers zwischen älteren und jüngeren Kolleg:innen. Hierbei können die nachfolgende Generationen von der Erfahrung der bestehenden Belegschaft profitieren. Deshalb ist es wichtig, nachhaltige Strategien zu implementieren, mit deren Hilfe die ältere Belegschaft weiterhin im Unternehmen integriert und motiviert werden kann.

Darüber hinaus können Unternehmen dem demographischen Wandel mit der Unterstützung staatlicher Förderprogramme und Initiativen aktiv begegnen. So lassen sich etwa finanzielle Anreize oder Angebote zur Kinderbetreuung für Mitarbeiter:innen mit Familie schaffen, um dem Trend einer rückläufigen Geburtenrate entgegenzuwirken. Für ältere Mitarbeiter:innen besteht zudem die Möglichkeit Anreize für einen längeren Verbleib im Unternehmen zu bieten, wie z.B. höhere Rentenansprüche oder die Chance auf einen flexiblen Renteneintritt. Diese und ähnliche Maßnahmen unterstützen die allgemeine Erwerbsbeteiligung und tragen zur Entwicklung eines zukunftsfähigen Arbeitsmarktes bei.

Best Practices & Fallbeispiele

Einige große Unternehmen wie Siemens und BMW entwickeln bereits seit einigen Jahren Strategien, Maßnahmen und innovative Projekte, um sich dem demographischen Wandel aktiv entgegenzustellen und eine stabile Arbeitskräftebasis zu schaffen. So fokussiert sich Siemens in der Unternehmensführung auf den zentralen Aspekt des lebenslangen Lernens und hat in diesem Kontext den Siemens Learning Campus eingerichtet. Der Campus integriert entsprechende Schulungen und Weiterbildungsprogramme etwa zu technologischen Erneuerungen und spezifischen Fähigkeiten für Mitarbeiter:innen aller Altersgruppen, die miteinander und voneinander lernen. BMW setzt hingegen auf ein intergeneratives Konzept und integriert durch das Programm Today for Tomorrow die Expertise der älteren Belegschaft für die jüngeren Mitarbeiter:innen in Form von Mentoring-Angeboten, wodurch der Wissenstransfer unter den diversen Altersschichten gefördert wird.

Fazit Der demographische Wandel hat unmittelbare Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt und stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Doch die Bevölkerungsentwicklung bietet auch Chancen und Potenziale, sofern Unternehmen dem demographischen Wandel aktiv begegnen und dabei Maßnahmen, Strategien und innovative Projekte fördern, die eine stabile Arbeitskräftebasis sicherstellen. Hier empfiehlt sich zunächst das Potenzial einer altersdiversen Belegschaft auszuschöpfen und deren Erfahrungswerte und Motivation optimal zu integrieren. Darüber hinaus können auch staatliche oder unternehmensinterne Programme genutzt werden, die auf die verschiedenen Personengruppen und ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, um etwa der rückläufigen Geburtenrate oder einer erhöhten Erwerbsbeteiligung zu begegnen.

Unternehmen sollten dem demographischen Wandel also strategisch und proaktiv entgegentreten und können sich beispielsweise an den oben aufgeführten Best Practices und Benchmarks anderer Unternehmen orientieren. Ein Blick in die Zukunft verrät: Der demographische Wandel stellt auch künftig ein großes Risiko für den Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft dar. Daher gilt es, bereits jetzt in langfristige Konzepte zu investieren, um eine nachhaltige und stabile Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren.

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Quellenangaben: (1) Statistisches Bundesamt (2024): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1084430/umfrage/durchschnittsalter-der-bevoelkerung-in-deutschland/

(2) Statistisches Bundesamt (2024): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/548267/umfrage/anteil-der-bevoelkerung-ab-65-jahren-und-aelter-in-deutschland/

(3) Statistisches Bundesamt (2024): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36672/umfrage/anzahl-der-kinder-je-frau-in-deutschland/

(4) Statistisches Bundesamt (2024): https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/_Grafik/_Interaktiv/geburten-geburtenziffer-eu-vergleich.html

(5) World Bank Group (2024): https://data.worldbank.org/indicator/SP.DYN.TFRT.IN?skipRedirection=true&view=map

(6) Institut für Wirtschaft (2024): Fachkräftemangel. Online verfügbar: https://www.iwd.de/dossiers/fachkraeftemangel/

Mathilde Berhault

Antonia Geßlein

Junior Consultant

Ich habe Integrative Gesundheitsförderung studiert und absolviere aktuell meinen Master in Diversitätsmanagement. In meiner Arbeit verbinde ich wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer Diversity-Perspektive, um Strukturen und Prozesse inklusiver und zugänglicher zu gestalten. Mir ist wichtig, komplexe Themen verständlich zu vermitteln und praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die Menschen und Organisationen gleichermaßen weiterbringen.

Was bedeutet Vielfalt für dich im Arbeitskontext?

"Mich motiviert die Frage, wie Organisationen Rahmenbedingungen schaffen können, in denen unterschiedliche Menschen wirklich gleiche Chancen haben. Fairness bedeutet für mich, strukturelle Barrieren zu erkennen und Entscheidungen so zu gestalten, dass sie transparent, gerecht und für alle zugänglich sind. Gleichzeitig gehört dazu, dass sich Menschen sicher, respektiert und gesund fühlen können."

Pauline Thurn

Pauline Thurn

Senior Consultant

Pauline verfügt über einen Hintergrund in Politikwissenschaft, Soziologie und Diversitätsmanagement. Ihre Masterarbeit im Diversity Controlling hat ihre Perspektive auf Vielfalt in Organisationen geprägt.
Seitdem arbeitet sie an der Schnittstelle von Recruiting und Diversity und legt großen Wert auf faire, transparente und chancengerechte Prozesse. In D&I-Workshops verbindet sie Praxiswissen mit einer
fundierten Diversity-Perspektive.

Was bedeutet Diversität für dich in der Zusammenarbeit mit Menschen?

Diversität bedeutet für mich, Menschen in ihrer ganzen Individualität wahrzunehmen und ihnen mit echter Offenheit, Unvoreingenommenheit und ehrlichem Interesse zu begegnen.
Ich finde es wichtig, unterschiedliche Lebenswege und Hintergründe nicht zu bewerten, sondern wertzuschätzen – gerade dann, wenn sie von gängigen Normen abweichen. Mich treibt an, Barrieren sichtbar zu machen und Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven ernst genommen und respektiert werden. Vielfalt zu fördern und zu leben ist für mich vor allem eine Haltung: aktives Zuhören, Verstehen und gemeinsam wachsen.

Catharina Crasser

Catharina Crasser

Lead Consultant

Catharina Crasser ist Senior Beraterin und Mitgründerin von D² – Denkfabrik Diversität. Ihre Expertise umfasst die aktuelle Diversitätsforschung mit Schwerpunkt Gender sowie die Ausarbeitung von Diversitätskonzepten im Kontext von Intersektionalität. Nach ihrem Bachelorabschluss in Political and Social Studies studierte sie im Masterstudiengang ‚Diversitätsmanagement, Religion und Bildung‘ an der Universität Würzburg. Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit in der Denkfabrik ist sie als externe Dozentin für unterschiedliche Seminare in diesem Masterstudiengang tätig.

Was macht deine Arbeit (besonders) interessant?

"Es macht mir Spaß, das Thema auf so viele verschiedene Arten an unterschiedliche Leute heranzutragen. Das Spannende ist, mit Ideen und Methoden an manchen Stellen auf Anklang zu stoßen und an anderen mit einer ähnlichen Idee kläglich zu scheitern. Es geht vor allem darum, die Perspektive meines Gegenübers mit seinen Bedarfen zu verstehen und kreativ passende Konzepte zu entwickeln."

Henning Albers

Henning Albers

Geschäftsführer

Henning hat einen Abschluss als Diplombetriebswirt (FH) mit Schwerpunkten Logistik und Personalmanagement. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in Human Resources in verschiedenen nationalen und internationalen generalistischen Führungsrollen mit Verantwortung für europäische und/oder asiatische Länder. Im Februar 2023 gründete er ALBERS ADVISORY, ein Beratungsunternehmen die umfassende und nachhaltige HR-Lösungen für Unternehmen schafft. Zum 01. Januar 2026 übernahm ALBERS ADVISORY die Denkfabrik Diversität.

Welche Rolle spielt Diversität in deinem Beratungsansatz?

"In dem wir als Brückenbauer verständlich machen, dass Menschen ihr volles Potential ausschöpfen wollen und dieses Potential ganz unterschiedlich und einzigartig ist, schaffen wir Möglichkeiten, wo es vorher vielleicht keine gab. Indem wir dabei helfen, dass Menschen mit ihrem ganzen Ich zur Arbeit kommen können, können sie sich entfalten und so zum langfristigen Erfolg von Unternehmungen beitragen. Verständnis schaffen, neue Perspektiven einbringen, den Menschen in den Mittelpunkt stellen und damit Win-Win Situationen entstehen lassen, treibt mich an."