15. Dezember 2023

Was die ESG-Richtlinie für KMU bedeutet

Frau mit Schutzbrille und Gehörschutz Kopfhörern arbeitet an einem Stück Holz in einer Werkstatt.
Herausforderungen in der Lieferkette, klimabedingte Ressourcenknappheit und eine angespannte wirtschaftliche Lage – dies sind nur einige wenige von vielen Faktoren, welche die Politik dazu bewegt haben, die Regularien für eine nachhaltige Wirtschaft der Zukunft neu zu denken. Aus diesem Grund hat der Rat der Europäischen Union im Jahr 2022 die ESG-Richtlinie für unternehmerisches Handeln in den Bereichen „Environmental – Social – Governance“ beschlossen. Neben finanzieller Transparenz verpflichtet die darin eingebettete CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) kapitalmarktorientierte Großunternehmen seit 2022 zu einer regelmäßigen Nachhaltigkeitsberichterstattung: Neben wirtschaftlichen Interessen spielen nun auch Umwelt, soziale Belange und Menschenrechte eine wichtige Rolle. Trotz der bislang noch nicht verpflichtenden Berichterstattung wirkt sich die ESG-Richtlinie allerdings schon jetzt maßgeblich auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus.

Inhalt

Wie sieht die Tendenz der CSRD für KMU in naher Zukunft aus?

Aufgrund der künftig steigenden Nachfrage nach ESG-relevanten Daten wurden im Rahmen der CSRD klare, einheitliche Vorgaben und Standards nach ESRS (European Sustainability Reporting Standards)veröffentlicht. Der Trend geht klar hin zu einer Standardisierung und auf lange Sicht zu einer umfassenden Berichtspflicht für alle Unternehmen, die innerhalb der EU wirtschaftlich tätig sind. Ab 2024 greift die Berichtspflicht für Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeiter:innen, während ab 2025 alle – aus bilanzrechtlicher Sicht – ‚großen‘ Unternehmen berichtspflichtig werden. Kapitalmarktorientierte KMU mit mehr als zehn Mitarbeiter:innen sind ab dem Jahr 2027 rückwirkend für das Fiskaljahr 2026 von der CSRD-Berichtspflicht betroffen, können die Berichtspflicht jedoch in einer Übergangszeit noch bis in das Jahr 2028 aufschieben. Aber auch für KMU, die heute (noch) nicht von der ESG-Berichtspflicht betroffen sind, aber grundsätzlich Wachstum anstreben, kann ein zeitnaher Wandel von Vorteil sein.

KMU als unverzichtbare Zahnräder der Unternehmenswelt

Wie sehr sich die ESG-Kriterien im Unternehmensalltag von KMU aus dem Mittelstand widerspiegeln, wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Produktions- und Lieferketten wirft. Sobald Großunternehmen nach CSRD verpflichtet werden, einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen, liegt der Fokus nicht mehr nur auf deren Endprodukt. Vielmehr geraten KMU in den Fokus, die häufig Zulieferer oder Produzenten in der Wertschöpfungskette sind. Um auf Dauer konkurrenzfähig und resilient zu bleiben, ist es also auch für KMU sinnvoll, sich rechtzeitig mit dem Thema soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Was können KMU für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmensalltag tun?

Zunächst einmal sollten Unternehmen durch Ist-Analysen auf dem neuesten Stand sein und genauestens Bescheid wissen, ab wann sie von der CSRD betroffen sind. Vorsicht ist geboten, denn bei Missachtung der Berichtspflicht kann eine Strafgebühr in Millionenhöhe anfallen. Damit die ESG-Kriterien mit den Werten des eigenen Unternehmens übereinstimmen und ein erfolgreicher Wandel gelingt, sollten frühzeitig Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens geklärt werden. Die ganzheitliche Erfassung materieller und immaterieller Faktoren durch eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse hilft außerdem dabei, Ressourcen zu schonen und gezielt dort einzusetzen, wo sie die größte Hebelwirkung entfalten. Die freiwillige Vorlage eines nicht-finanziellen Jahresberichts sorgt zudem für Transparenz und somit eine für eine erhöhte Attraktivität von KMU für potenzielle Stakeholder. Eine intelligente und digitale Datenerfassung zur Weitergabe an Kund:innen stellt hier eine wichtige Grundlage dar.

In unserem Blogartikel zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse finden Sie alle relevanten Informationen zu diesem wichtigen Schritt.

Fazit Zusammenfassend wird deutlich, dass die ESG-Kriterien keine lästige Pflicht sind, sondern vielmehr als Innovationstreiber wahrgenommen werden sollten. Auf diese Weise leisten KMU einen wichtigen Beitrag zur Beschleunigung der grünen Wende.

Sie haben noch Fragen zu den ESG-Kriterien, den ESRS-Standards oder der CSRD? Die Expert:innen von D² – Denkfabrik Diversität beraten Sie gerne telefonisch oder per E-Mail.

Mathilde Berhault

Antonia Geßlein

Junior Consultant

Ich habe Integrative Gesundheitsförderung studiert und absolviere aktuell meinen Master in Diversitätsmanagement. In meiner Arbeit verbinde ich wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer Diversity-Perspektive, um Strukturen und Prozesse inklusiver und zugänglicher zu gestalten. Mir ist wichtig, komplexe Themen verständlich zu vermitteln und praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die Menschen und Organisationen gleichermaßen weiterbringen.

Was bedeutet Vielfalt für dich im Arbeitskontext?

"Mich motiviert die Frage, wie Organisationen Rahmenbedingungen schaffen können, in denen unterschiedliche Menschen wirklich gleiche Chancen haben. Fairness bedeutet für mich, strukturelle Barrieren zu erkennen und Entscheidungen so zu gestalten, dass sie transparent, gerecht und für alle zugänglich sind. Gleichzeitig gehört dazu, dass sich Menschen sicher, respektiert und gesund fühlen können."

Pauline Thurn

Pauline Thurn

Senior Consultant

Pauline verfügt über einen Hintergrund in Politikwissenschaft, Soziologie und Diversitätsmanagement. Ihre Masterarbeit im Diversity Controlling hat ihre Perspektive auf Vielfalt in Organisationen geprägt.
Seitdem arbeitet sie an der Schnittstelle von Recruiting und Diversity und legt großen Wert auf faire, transparente und chancengerechte Prozesse. In D&I-Workshops verbindet sie Praxiswissen mit einer
fundierten Diversity-Perspektive.

Was bedeutet Diversität für dich in der Zusammenarbeit mit Menschen?

Diversität bedeutet für mich, Menschen in ihrer ganzen Individualität wahrzunehmen und ihnen mit echter Offenheit, Unvoreingenommenheit und ehrlichem Interesse zu begegnen.
Ich finde es wichtig, unterschiedliche Lebenswege und Hintergründe nicht zu bewerten, sondern wertzuschätzen – gerade dann, wenn sie von gängigen Normen abweichen. Mich treibt an, Barrieren sichtbar zu machen und Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven ernst genommen und respektiert werden. Vielfalt zu fördern und zu leben ist für mich vor allem eine Haltung: aktives Zuhören, Verstehen und gemeinsam wachsen.

Catharina Crasser

Catharina Crasser

Lead Consultant

Catharina Crasser ist Senior Beraterin und Mitgründerin von D² – Denkfabrik Diversität. Ihre Expertise umfasst die aktuelle Diversitätsforschung mit Schwerpunkt Gender sowie die Ausarbeitung von Diversitätskonzepten im Kontext von Intersektionalität. Nach ihrem Bachelorabschluss in Political and Social Studies studierte sie im Masterstudiengang ‚Diversitätsmanagement, Religion und Bildung‘ an der Universität Würzburg. Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit in der Denkfabrik ist sie als externe Dozentin für unterschiedliche Seminare in diesem Masterstudiengang tätig.

Was macht deine Arbeit (besonders) interessant?

"Es macht mir Spaß, das Thema auf so viele verschiedene Arten an unterschiedliche Leute heranzutragen. Das Spannende ist, mit Ideen und Methoden an manchen Stellen auf Anklang zu stoßen und an anderen mit einer ähnlichen Idee kläglich zu scheitern. Es geht vor allem darum, die Perspektive meines Gegenübers mit seinen Bedarfen zu verstehen und kreativ passende Konzepte zu entwickeln."

Henning Albers

Henning Albers

Geschäftsführer

Henning hat einen Abschluss als Diplombetriebswirt (FH) mit Schwerpunkten Logistik und Personalmanagement. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in Human Resources in verschiedenen nationalen und internationalen generalistischen Führungsrollen mit Verantwortung für europäische und/oder asiatische Länder. Im Februar 2023 gründete er ALBERS ADVISORY, ein Beratungsunternehmen die umfassende und nachhaltige HR-Lösungen für Unternehmen schafft. Zum 01. Januar 2026 übernahm ALBERS ADVISORY die Denkfabrik Diversität.

Welche Rolle spielt Diversität in deinem Beratungsansatz?

"In dem wir als Brückenbauer verständlich machen, dass Menschen ihr volles Potential ausschöpfen wollen und dieses Potential ganz unterschiedlich und einzigartig ist, schaffen wir Möglichkeiten, wo es vorher vielleicht keine gab. Indem wir dabei helfen, dass Menschen mit ihrem ganzen Ich zur Arbeit kommen können, können sie sich entfalten und so zum langfristigen Erfolg von Unternehmungen beitragen. Verständnis schaffen, neue Perspektiven einbringen, den Menschen in den Mittelpunkt stellen und damit Win-Win Situationen entstehen lassen, treibt mich an."